4 V 1877, Krakau — 4 VI 1942, Ghetto Krakau

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Biographie

Poet und Liedermacher der jiddischen Sprachen in Polen in der Vorkriegszeit sowie in der Kriegszeit. Sein ganzes Leben lang war er mit dem jüdischen Viertel von Krakau, Kazimierz, verbunden.

Als Markus Bertig wurde er am 4. Mai 1877 in Krakau geboren. Seine Schulbildung erhielt er sowohl im Cheder, der jüdischen Grundschule, als auch der Volksschule. Danach machte er eine Ausbildung bei einem Tischler. Er engagierte sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitern, sein Werk brachte sozialistisches Engagement zum Ausdruck. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er als Sanitäter in einem Militärkrankenhaus in Krakau, nach dem Krieg arbeitete er in einer Tischler- und Polsterwerkstatt seines Bruders Leon. Er probierte sich auch als Schauspieler aus.

Im Laufe der Zeit begann er, als Mordechaj Gebirtig zu unterschreiben, als „der Neugeborene“  (vom Deutschen „Geburt“). Sein erstes Gedicht Der Generalsztrajk erschien 1905 in der Wochenzeitung „Socjaldemokrat”. Im Jahr 1920 wurde sein Gedichtband Folkstimlech (‘Mit der Stimme des Volkes’) herausgegeben und 1936 seine Liedersammlung Majne lider (‘Meine Lieder’). Seine auf Jiddisch geschriebenen Werke wurden auf den Bühnen vieler jüdischer Theater in unterschiedlichen Teilen der Welt gesungen. Mordechaj ist der Verfasser des Liedes Unzer sztetl brent (‘Unser Schtetl brennt’), das an den Pogrom in Przytyk am 9. März 1936 erinnert. Das Lied wurde zur Hymne der Jüdischen Kampforganisation, die im Krakauer Ghetto und in Konzentrationslagern gesungen wurde. Nach dem Krieg wurde es zum Symbollied der Holocaust-Überlebenden.

In der Zeit der Okkupation hielt er sich in Łagiewniki bei Krakau auf, dann im Ghetto Krakau. Er kam am 4. Juni 1942 ums Leben, als ihn ein Mitglied der Gestapo auf dem Weg ins Vernichtungslager erschoss. Mordechajs Lieder, die das jüdische Universum der Vorkriegszeit dokumentieren, sind zu einem unschätzbaren Zeugnis dieser verlorenen Welt geworden.

Poet und Liedermacher der jiddischen Sprachen in Polen in der Vorkriegszeit sowie in der Kriegszeit. Sein ganzes Leben lang war er mit dem jüdischen Viertel von Krakau, Kazimierz, verbunden.

Als Markus Bertig wurde er am 4. Mai 1877 in Krakau geboren. Seine Schulbildung erhielt er sowohl im Cheder, der jüdischen Grundschule, als auch der Volksschule. Danach machte er eine Ausbildung bei einem Tischler. Er engagierte sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitern, sein Werk brachte sozialistisches Engagement zum Ausdruck. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er als Sanitäter in einem Militärkrankenhaus in Krakau, nach dem Krieg arbeitete er in einer Tischler- und Polsterwerkstatt seines Bruders Leon. Er probierte sich auch als Schauspieler aus.

Im Laufe der Zeit begann er, als Mordechaj Gebirtig zu unterschreiben, als „der Neugeborene“  (vom Deutschen „Geburt“). Sein erstes Gedicht Der Generalsztrajk erschien 1905 in der Wochenzeitung „Socjaldemokrat”. Im Jahr 1920 wurde sein Gedichtband Folkstimlech (‘Mit der Stimme des Volkes’) herausgegeben und 1936 seine Liedersammlung Majne lider (‘Meine Lieder’). Seine auf Jiddisch geschriebenen Werke wurden auf den Bühnen vieler jüdischer Theater in unterschiedlichen Teilen der Welt gesungen. Mordechaj ist der Verfasser des Liedes Unzer sztetl brent (‘Unser Schtetl brennt’), das an den Pogrom in Przytyk am 9. März 1936 erinnert. Das Lied wurde zur Hymne der Jüdischen Kampforganisation, die im Krakauer Ghetto und in Konzentrationslagern gesungen wurde. Nach dem Krieg wurde es zum Symbollied der Holocaust-Überlebenden.

In der Zeit der Okkupation hielt er sich in Łagiewniki bei Krakau auf, dann im Ghetto Krakau. Er kam am 4. Juni 1942 ums Leben, als ihn ein Mitglied der Gestapo auf dem Weg ins Vernichtungslager erschoss. Mordechajs Lieder, die das jüdische Universum der Vorkriegszeit dokumentieren, sind zu einem unschätzbaren Zeugnis dieser verlorenen Welt geworden.

Unser Städtchen brennt („Undser shtetl brent”)

Gesang: Bente Kahan
Akkordeon: Dariusz Świnoga

Aufnahme aus einem Konzert in Stockholm Stadthalle, 1995.

Bleib mir gesund, Krakau. Bente Kahan singt Mordechaj Gebirtig („Farewell Cracow. Bente Kahan sings Mordechaj Gebirtig”)

Text und Musik: Mordechaj Gebirtig

Gesang: Bente Kahan
Akkoredon: Dariusz Świnoga
Geige: Mirosław Kuźniak

Aufnahme von TVP2, 1992.

Kindheit („Kinderyorn”)

Text und Musik: Mordechaj Gebirtig
Gesang und Gitarre: Bente Kahan

Aufnahme aus dem „Farewell Cracow. Yiddish songs by Mordechai Gebirtig” CD von Bente Kahan, 1992.

Unser Städtchen brennt
Aus dem Jiddischen ins Deutsche: Manfred Lemm. In: M. Lemm, Mordechaj Gebirtig – Jiddische Lieder, Edition Künstlertreff, Wuppertal 1992.

Es brennt! Brüder, es brennt!
Oh, unser armes Städtchen, Gott behüte!, brennt!
Böse Winde mit Zorn
reißen, brechen und schüren
stärker noch die wilden Flammen,
alles ringsum schon brennt!

Und ihr steht und schaut umher
mit verschränkten Händen,
und ihr steht und schaut umher –
unser Städtchen brennt…

Es brennt! Brüder, es brennt!
Oh, unser armes Städtchen, Gott behüte!, brennt!
Es haben schon die Feuerzungen
Das ganze Städtchen eingeschlungen –
Und die bösen Winde huschen,
Unser Städtchen brennt!

Und ihr steht und schaut umher
mit verschränkten Händen,
und ihr steht und schaut umher –
unser Städtchen brennt…

Es brennt! Brüder, es brennt!
Oh, es kann –  bewahre! – kommen der Moment:
Unsere Stadt mit uns zusammen
soll zu Asche werden in der Flammen,
Bleiben werden – wie nach einer Schlacht,
nur leere, schwarze Wände!

Und ihr steht und schaut umher
mit verschränkten Händen,
und ihr steht und schaut umher –
unser Städtchen brennt…

Es brennt! Brüder, es brennt!
Die Hilfe ist nur in euch alleine zu finden.
Und wenn das Städtchen ist euch teuer,
nehmt die Werkzeuge, löscht das Feuer,
Löscht mit eurem eigenen Blut,
Beweist, daß ihr das könnt!

Steht nicht, Brüder, hier so herum
Mit verschränkten Händen.
Steht nicht, Brüder, löscht das Feuer:
Unser Städtchen brennt!