10 XI 1920, Wien — 1 XII 1942, KL Auschwitz-Birkenau

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Biographie

Verfasserin, die auf Deutsch Tagebücher schrieb, die ihre Kriegserfahrungen des Holocausts in Österreich und Norwegen beschreiben. Ihre Aufzeichnungen wurden in den 1990er Jahren entdeckt und im Jahr 2007 veröffentlicht.

Sie wurde am 10. November 1920 in Wien geboren, in einer assimilierten jüdischen Familie. Ihr Vater war ein hochgestellter Beamter beim österreichischen Post- und Telegraphendienst. Dank seiner Kontakte konnte 1939 für Ruth ein Unterschlupf in Norwegen gefunden werden, wo sie sehr schnell Norwegisch lernte. Dort lernte sie Gunvor Hofmo kennen, eine Nachwuchsdichterin, mit der sie sich anfreundete. Sie war eines der Modell des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland. Judith, die Schwester von Ruth, konnte nach England flüchten. Trotz der Entfernung und der schwierigen Lage hielten die Schwestern Kontakt zueinander, indem sie regelmäßig Briefe schrieben.

Am 26. November 1942 wurde Ruth von der norwegischen Polizei verhaftet und am gleichen Tag auf das Frachtschiff SS Donau gebracht. Nach ihrer Ankunft im KL Auschwitz-Birkenau am 1. Dezember wurde sie sofort in die Gaskammer geführt.

Gunvor bewahrte ihre eigene Korrespondenz mit Ruth und die Tagebücher, die ihre verstorbene Freundin in den Jahren 1933 bis 1942 in Wien und Oslo geschrieben hatte, auf. Die norwegische Dichterin versuchte zu ihren Lebzeiten, die Aufzeichnungen von Ruth zu veröffentlichen, was leider erfolglos blieb. Zur Veröffentlichung kam es erst nach dem Tod von Gunvor. Die Texte wurden im Jahr 2007 herausgegeben, unter der Redaktion des norwegischen Dichters Jan Erik Vold, zusammen mit den Briefen, die Ruth an Judith geschrieben hatte. Die Aufzeichnungen erzählen von den schlechter werdenden Lebensbedingungen der jüdischen Gemeinschaft, darüber hinaus reflektieren sie das Gefühl der Isolation, der Entfremdung und das Problem der Identität. Schließlich ist es ein anrührendes Zeugnis der Geschichte einer jungen Frau, die sich nach ihrer Familie sehnt. Die Leser und Kritiker haben die Aufzeichnungen von Ruth als Dokument von hohem künstlerischen Wert gewürdigt. Im Jahr 2020 wurde in verschiedenen Städten Norwegens an Ruth erinnert.


An eine Farbe

Eine Geschichte über eine Farbe
Eine Geschichte über eine Farbe?

Rot wird der Jude bluten wenn du ihn schlägst.
Den Kopf zur Seite beugen,
mit scheuen Augen woanders hinschauen.
Mit dem flachen Handrücken das Blut wegwischen.

Weitergehen ohne sich umzudrehen.
Weitergehen ohne sich umzudrehen.

Rot wird es aus den Wunden bluten die du aufreißt,
wenn du für das Vaterland
wenn du für die Freiheit
wenn du für das Recht kämpfst.

Es ist nicht weiter als ein roter vom Herzen
oder den Stirn laufenden Streifen
der zeigt wo du getroffen hast.
Niemand fragt nach dem er tot ist.
Er selbst ist stumm.
So dass du dich sicher fühlen kannst.

Rot blutet der, der seinen Frieden findet
in dem er Hand an sich legt

Erschöpfte graue Männer und Frauen fallen
in kleinen Parks von den Bänken, während es
von einem misshandelten Handgelenk tropft.
Niemand sagt, dass du an seinem Tod schuld bist.

Dies war eine Geschichte über eine Farbe.

Verfasserin, die auf Deutsch Tagebücher schrieb, die ihre Kriegserfahrungen des Holocausts in Österreich und Norwegen beschreiben. Ihre Aufzeichnungen wurden in den 1990er Jahren entdeckt und im Jahr 2007 veröffentlicht.

Sie wurde am 10. November 1920 in Wien geboren, in einer assimilierten jüdischen Familie. Ihr Vater war ein hochgestellter Beamter beim österreichischen Post- und Telegraphendienst. Dank seiner Kontakte konnte 1939 für Ruth ein Unterschlupf in Norwegen gefunden werden, wo sie sehr schnell Norwegisch lernte. Dort lernte sie Gunvor Hofmo kennen, eine Nachwuchsdichterin, mit der sie sich anfreundete. Sie war eines der Modell des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland. Judith, die Schwester von Ruth, konnte nach England flüchten. Trotz der Entfernung und der schwierigen Lage hielten die Schwestern Kontakt zueinander, indem sie regelmäßig Briefe schrieben.

Am 26. November 1942 wurde Ruth von der norwegischen Polizei verhaftet und am gleichen Tag auf das Frachtschiff SS Donau gebracht. Nach ihrer Ankunft im KL Auschwitz-Birkenau am 1. Dezember wurde sie sofort in die Gaskammer geführt.

Gunvor bewahrte ihre eigene Korrespondenz mit Ruth und die Tagebücher, die ihre verstorbene Freundin in den Jahren 1933 bis 1942 in Wien und Oslo geschrieben hatte, auf. Die norwegische Dichterin versuchte zu ihren Lebzeiten, die Aufzeichnungen von Ruth zu veröffentlichen, was leider erfolglos blieb. Zur Veröffentlichung kam es erst nach dem Tod von Gunvor. Die Texte wurden im Jahr 2007 herausgegeben, unter der Redaktion des norwegischen Dichters Jan Erik Vold, zusammen mit den Briefen, die Ruth an Judith geschrieben hatte. Die Aufzeichnungen erzählen von den schlechter werdenden Lebensbedingungen der jüdischen Gemeinschaft, darüber hinaus reflektieren sie das Gefühl der Isolation, der Entfremdung und das Problem der Identität. Schließlich ist es ein anrührendes Zeugnis der Geschichte einer jungen Frau, die sich nach ihrer Familie sehnt. Die Leser und Kritiker haben die Aufzeichnungen von Ruth als Dokument von hohem künstlerischen Wert gewürdigt. Im Jahr 2020 wurde in verschiedenen Städten Norwegens an Ruth erinnert.

10 XI 1920, Wien — 1 XII 1942, KL Auschwitz-Birkenau

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